"Das putzt ganz ungemein."

Eine Woche in Frankreich zu "Joseph und seine Brüder"

Das Kultur- und Begegnungszentrum Château d’Orion im Südwesten Frankreichs (zwischen Biarritz und Pau) lädt vom 9. bis 15. Oktober 2022 zur Denkwoche "Joseph und seine Brüder. Eine Literaturreise zu Thomas Mann Romantetralogie" mit Prof. Dr. Dieter Borchmeyer ein.


Dieter Borchmeyer (c) privat

In der Ankündigung heißt es:
Die Tetralogie "Joseph und seine Brüder" (1933-1943) ist das bis heute in seiner Bedeutung immer noch verkannte Hauptwerk Thomas Manns – verkannt, weil es wegen seines ungeheuren Umfangs und trotz seines Spannungsreichtums am wenigstens gelesen ist und weil es manchen immer noch als entmythologisierendes Spiel mit Religion und Mythos in der Nachfolge der Aufklärung gilt. In Wirklichkeit ist Thomas Mann einer der großen Wegbereiter des modernen, religionswissenschaftlich begründeten Mythos-Verständnisses, sind die Josephsromane eine der bedeutendsten religiösen und mythischen Romandichtungen des 20. Jahrhunderts. Als Tetralogie bilden sie eine Parallelaktion zu Richard Wagners "Ring des Nibelungen".
In der textkritischen und kommentierten Edition der Tetralogie in vier Bänden, die von Jan Assmann, Dieter Borchmeyer und Stephan Stachorski im Rahmen der „Großen Kommentierten Frankfurter Ausgabe“ der Werke Thomas Manns im Jahre 2018 herausgegeben worden ist, wird die thematische Vielfalt und Erzählkunst des Romanzyklus umfassend verdeutlicht und seine weltweite Ausstrahlung zumal nach Amerika und in die jüdische Welt zum ersten Mal dargestellt.
Diese Ausgabe ist die Basis der Denkwoche im Château d’Orion. Schwerpunktmäßig werden die religiöse und mythische Welt der Romane, deren kultur- und sozialgeschichtliche Thematik, ihr weltliterarischer Horizont, der sich von der Bibel und altorientalischen Literatur über Goethe bis zu Richard Wagner spannt, ihre tiefenpsychologische Ausrichtung, der über allem waltende Humor und nicht zuletzt die erzählerische Spannung und Meisterschaft der bedeutendsten deutschen Dichtung des 20. Jahrhunderts – auch in der Rezitation zentraler Kapitel – demonstriert und erläutert. Auch ihre vielschichtige Wirkungsgeschichte soll in die Betrachtung einbezogen werden.

Mehr Informationen und Anmeldung

Prof. Dr. Dr. h.c. Dieter Borchmeyer ist emeritierter Professor für Neuere deutsche Literatur und Theaterwissenschaft an der Universität Heidelberg. Forschungsschwerpunkte sind die Literatur der Goethe-Zeit sowie Leben und Werk Richard Wagners. Seine jüngsten Publikationen sind sein Lebenswerk: "Was ist deutsch? Die Suche einer Nation nach sich selbst" (2017) und die kommentierte Ausgabe der Josephsromane von Thomas Mann in vier Bänden (2018; zusammen mit Jan Assmann und Stephan Stachorski). Soeben abgeschlossen hat er die erste umfassende Gesamtdarstellung des Werks von Thomas Manns, die unter dem Titel "Thomas Mann – Werk und Zeit" im Herbst 2022 im Insel-Verlag erscheinen wird.

 

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