"Ach ja, das, was man nicht kann, das ist die Kunst."

Neue Bücher

In dieser Rubrik finden Sie Ankündigungen zu aktuellen Monografien und Sammelbänden zu Thomas Mann und zur Familie Mann.

Ralf Eisinger:
Klaus Pringsheim aus Tokyo. Zur Geschichte eines musikalischen Kulturtransfers
Als Sohn einer begüterten Familie jüdischen Ursprungs wächst Klaus Pringsheim gemeinsam mit seiner Zwillingsschwester Katia, der späteren „Frau Thomas Mann“, in München auf. Schon als junger Mann tritt er als Pianist und Komponist in Erscheinung, ehe er 1906 Schüler Gustav Mahlers in Wien wird. Bald reüssiert Pringsheim als Dirigent, arbeitet als Regisseur, Dramaturg und Kritiker in Prag und Bremen und erlebt das Berliner Kulturleben der 1920er Jahre, dem er als Leiter der Bühnenmusik der Reinhardt-Theater und als Dirigent des ersten Mahler-Zyklus entscheidende Impulse zu geben vermag. Ein neues Leben beginnt 1931 mit der Berufung als Kompositionslehrer und Leiter des Orchesters der Musikakademie in Tokyo. In Japan tritt er insbesondere als Dirigent vieler Mahler-Erstaufführungen prominent in Erscheinung. Was anfangs noch als Abenteuer auf Zeit gedacht war, entwickelt sich durch die geschichtlichen Ereignisse zu einer Endstation. Sein Leben wird fortan durch die Erfahrungen des Exils geprägt. Nach dem Krieg lebt er einige Jahre in Kalifornien, kehrt aber 1951 endgültig nach Tokyo zurück.
Kontakt für Fragen an den Autor: info@iudicium.de (wird vom Verlag weitergeleitet)

  München: iudicium Verlag 2020

 

Rolf Füllmann:
Thomas Mann
Der Nobelpreisträger Thomas Mann (1875–1955) wird als einer der weltweit bedeutendsten Autoren des zwanzigsten Jahrhunderts in diesem Band beispielhaft mit Romanen wie ‚Buddenbrooks‘ (1901), ‚Der Zauberberg‘ (1924), ‚Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull‘ (1954) sowie den Novellen ‚Der Tod in Venedig‘ (1912) und ‚Unordnung und frühes Leid‘ (1925) vorgestellt. Diese repräsentieren einen wichtigen Abschnitt der Kulturgeschichte von der Gründer- bis in die Nachkriegszeit. Die Themen des Werks reichen von Familien- und Künstlerproblemen des bürgerlichen Zeitalters über den Komplex von Krankheit, Genie und Eros bis hin zur Musik Wagners und Schönbergs, zu Goethe und Schiller, zur hebräischen Bibel und auch zu Transkulturalität und Gender Trouble. Mit dem Begriff der ‚deutschen Märchenseele‘ entwickelt der Antifaschist Thomas Mann zudem ein sozialpsychologisches Konzept zur NS-Ideologie. Der Band richtet sich an Schule, Universität und interessierte Leserschaft. Er soll einen kompakten Einblick in das umfangreiche wie intermediale Gesamtwerk liefern, zu dem auch Familienangehörige, etwa die Tochter Erika Mann, wesentlich beitrugen. (Literatur Kompakt, Band 18)
Kontakt für Fragen an den Autor: rolffuellmann@t-online.de

  Baden-Baden: Tectum-Verlag 2021

 

Dirk Heißerer:
Das Rätsel der Sphingen vom Nordfriedhof. Bewahrung bei Thomas Mann, Verlust und Rekonstruktion
Die Rückkehr der Sphingen vom Münchner Nordfriedhof (2019/20) ist einer Erwähnung Thomas Manns in seiner Novelle Der Tod in Venedig (1912) zu verdanken. Die christlichen Wächter werden darin zu „apokalyptischen Tieren“ umgedeutet. Um 1960 bezeichnete ein Münchner Baurat die Sphingen als „Scheißviecher“ und ließ sie, zusammen mit Relieffiguren und Wandtexten, entfernen. Die wundersame Rückkehr der Sphingen hat viele neue Erkenntnisse mit sich gebracht, für das Friedhofsgebäude, aber auch für die Novelle. So unternimmt Gustav von Aschenbach wie Äneas eine Hadesfahrt. Auch die frühe Simplicissimus-Groteske „Der Weg zum Friedhof“ (1900) erscheint in neuem Licht. Der Kunsthistoriker Thomas Raff stellt die Sphinx in der nachantiken Kunst vor, und die Steinmetzmeister Barbara Oppenrieder und Wolfgang Gottschalk berichten mit Fotos von ihrer Sphingenrekonstruktion. Eine Dokumentation bietet u.a. den Erstdruck der Grabrede Thomas Manns auf seine Schwester Julia Löhr (1927).
Kontakt für Fragen an den Autor:info@tmfm.de

Würzburg: Verlag Königshausen & Neumann 2021 

 

Gerhard Roleder:
"Diesmal hört ihr meine eigene Stimme." Thomas Manns BBC-Ansprachen aus technischer Sicht
Thomas Mann schrieb zwischen 1940 und 1945 Radioansprachen, in denen er sich über die BBC an Hörer in Deutschland wandte, um sie von der Sinnlosigkeit des Krieges zu überzeugen. Während die ersten Ansprachen noch von einem BBC-Sprecher vorgetragen wurden, übertrug die BBC ab März 1941 Thomas Manns Stimme von Schallplatten, die im amerikanischen Exil aufgenommen wurden. Historiker und Literaturwissenschaftler haben sich jeweils aus ihrer Sicht mit den insgesamt 58 Reden eingehend beschäftigt. Dieser Aufsatz behandelt einige technische Aspekte dieser speziellen Rundfunkübertragungen und geht dabei den Fragen nach:
Wie war die Empfangssituation in Deutschland? Was tat die BBC, um möglichst vielen Hörern den Empfang zu ermöglichen? Welche Wechselwirkungen bestanden zwischen Sende- und Empfangstechnik und Programmgestaltung?
Die Broschüre richtet sich an allgemein technikgeschichtlich Interessierte. Spezielle Kenntnisse auf dem Gebiet der Funktechnik werden nicht vorausgesetzt.
Kontakt für Fragen an den Autor: gerhard.roleder@gmx.de

Erfurt: PROOF Verlag 2020

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