"Ich bin sehr scharf im Kopf heute."

Workshop „Religion und Ökonomie in Buddenbrooks"

In seinem Textfragment Kapitalismus als Religion bezeichnet Walter Benjamin den Kapitalismus als eine „Kultreligion, vielleicht die extremste, die es je gegeben hat“ (GS VI, 100). Tatsächlich kennt der Kapitalismus zahlreiche Gemeinsamkeiten mit der Religion, etwa im Kreditwesen (lat. credere = glauben), wo es gilt, an die Zahlungsfähigkeit eines Schuldners zu glauben wie an das kommende Himmelreich, das einen für alle Entbehrungen mit einer an den Zins erinnernden Gabe vielfach entlohnen wird. Auch Thomas Buddenbrook glaubt in diesem Sinne an Bendix Grünlichs Solvenz, immerhin ist der ein Meister darin, symbolisches Kapital vorzugaukeln und so dem Gläubiger den idealen Schuldner zu geben. Im Workshop wollen wir solchen Spuren nachgehen. Ausgehend von Max Webers Schriften über den protestantischen Leistungsethiker und weiteren theoretischen Grundlagentexten werden wir danach fragen, was Geld- und Glaubensfragen gemeinsam haben und wie genau sich das in Buddenbrooks zeigt.

  ©Margret Witzke

Nils Louen hat Germanistik und Philosophie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel studiert, wo er über Thomas Manns Betrachtungen eines Unpolitischen promoviert. Derzeit ist er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Buddenbrookhaus tätig.

Als Textgrundlage wird ein Reader mit theoretischen Texten und den zentralen Ausschnitten aus Buddenbrooks wird den Teilnehmer:innen mit weiteren Lektürehinweisen nach Anmeldung zur Verfügung gestellt.

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